GEGENSTANDPUNKT

GEGENARGUMENTE

GegenStandpunkt & Diskussion

KRISE UND KRISENPOLITIK
Europa soll gesunden - durch mehr Armut allüberal!

Prof. Margaret Wirth (Bremen)

Donnerstag 14.6.2012 um 19:00
Uni-Campus im alten AKH, Hof 10.2., Hörsaal D (Pathologie-Hörsaal)
Spitalgasse 2, 1090 Wien

In Griechenland, einem Mitglied des laut Eigenauskunft „stärksten Wirtschaftsblocks“ des 21. Jahrhunderts, wird inzwischen gehungert; die Renten und der miese staatliche Mindestlohn, an dem auch die anderen Löhne im Land orientiert sind, werden um mehr als 20% gekürzt. Im öffentlichen Dienst werden Zehntausende entlassen, weitere sollen folgen; die Arbeitslosigkeit liegt auf einem Dritt-Welt-Niveau von 25%. In Spanien, Portugal etc. ist es nicht viel besser. Dort ist eine ganze Generation oft „gut ausgebildeter“ junger Leute ohne Job, ohne Mittel und ohne Perspektive. Mit Renten, Gesundheitsleistungen und Löhnen wird ähnlich verfahren wie in Griechenland, zugleich werden die verarmten Bürger mit immer höheren Steuern und öffentlichen Gebühren für die Staatskasse in Anspruch genommen.

Die Finanzlage der betreffenden Nationen bessert sich dadurch nicht. Die Staatsausgaben sinken zwar, die Staatseinnahmen aber noch mehr, weil das staatliche Sparen die Wirtschaftstätigkeit im Land abwürgt. Aus all dem Elend folgt für seine Urheber nur eines: Es ist noch lange nicht genug!

Damit sie endlich wieder Kapitalwachstum erzeugen, sollen die Partner ihre Länder gefälligst wettbewerbsfähiger machen, verlangt die deutsche Kanzlerin. Und wie geht das ohne neue große Staatsausgaben? Natürlich durch die weitere Senkung der Löhne, durch die Demontage von Kündigungsschutz, die Abschaffung geregelter Arbeitsverhältnisse und das Aufbrechen von bisher „geschützten“ Branchen und Berufen: Arbeit in Europa muss billiger werden! Frankreich, Italien und andere brauchen dringend die Übernahme der deutschen Arbeitsmarktreformen, die unter dem Kürzel „Hartz IV“ bekannt sind: Eine Arbeitslosenunterstützung am Existenzminimum und die Erpressung, auch die noch zu streichen, hat die Arbeitslosen gezwungen, jede Arbeit zu jedem Preis anzunehmen. Die Nötigung der Arbeitslosen hat einen wunderbaren Niedriglohnsektor wachsen lassen und über ein ganzes Jahrzehnt lang auch die sonstigen Löhne nicht nur stabil gehalten, sondern gesenkt.

In der großen Krise ist Deutschland der Garant der Schulden der Nachbarstaaten, der Zuchtmeister bei sparsamer Haushaltsführung und das Vorbild dafür, wie „es geht“: Politik, Wirtschaft und Medien zumindest in Deutschland schämen sich nicht dafür, das Lebensniveau der Arbeiterklasse nach unten reformiert zu haben; sie sind stolz, damit so erfolgreich gewesen zu sein: Heute arbeiten in Deutschland mehr Menschen mehr Stunden denn je, und das für weniger Geld als Jahrzehnte davor.

Erfolgreiche wie erfolglose Staaten der EU demonstrieren je auf ihre Weise: Der Reichtum ihrer Nationen beruht auf der Armut der Masse ihrer Bürger, die ist das einzige Rezept in der und gegen die Pleite. Das ist keine Propagandalüge und kein Fall von schlechter Politik, sondern hat System.

GegenStandpunkt erhältlich:
Lhotzkys Literaturbuffet, Taborstr. 28 (Eing. Rotensterngasse), 1020 Wien
Bartalsky, Währingerstraße 26, 1090 Wien
Südwind, Schwarzspanierstraße 15, 1090 Wien
Frick, Schulerstraße 1-3, 1010 Wien
Rupertus, Dreifaltigkeitsgasse 12, 5020 Salzburg
Wagnersche, Museumstraße 4, 6020 Innsbruck
Wagnersche, bei Thalia, Landstraße 41, 4020 Linz